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Chickow

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Sonntag, 1. April 2012, 12:50

Shooters - Making Of

Hallo! :)
Vielleicht kennen einige dieses Making Of schon von meiner Seite oder von Calvin Hollywoods Forum, jedoch denke ich nicht, dass ich davor halt machen sollte, es mit dieser Community zu teilen!

Ich wünsche euch viel Spaß und solltet ihr weitere Fragen haben, stellt sie und ich versuche sie zu beantworten! ;)



Vorwort

Shooters ist ein persönliches Zeugnis dafür, dass man Projekte nicht einfach fallen lassen sollte. Das Ursprungsfoto entstand im Jahre 2007 und hat 4 Jahre warten müssen, bis ich die Inspiration gefunden habe, es zu bearbeiten und in seinen endgültigen Zustand zu bringen.

Ursprung


Wie eingangs beschrieben, entstand das Foto, worauf Shooters basiert, schon im Jahre 2007. Im Zuge meiner kleinen Bildreihe Sunray Despised , schoss ich ebenfalls das Foto einer Schießerei. Dennoch hatte ich das Gefühl, dass es nicht zu den restlichen Bildern passen würde, da diese eine eher ruhige Atmosphäre ausstrahlen. Trotz mehrerer Versuche und Stunden der Spielereien in Photoshop, fand ich nie die Muse, es in das zu wandeln, was es schon in seinem unbearbeiteten Zustand ausstrahlte.

Somit verschwand es in der virtuellen Schublade, um es hin und wieder zum Betrachten hervor zu holen. Jahre vergingen, ich erweiterte meine Kenntnisse in Photoshop, schulte mein Auge und konsumierte fleissig Filme und Videospiele. Plötzlich war es auf einmal soweit, mich packte eine unerklärliche Motivation, ausgelöst durch das finale Betrachten des Fotos.

Umsetzung
Ich schnappte mir mein Tablett, startete Photoshop und fing mit der Arbeit an.

Zunächst stattete ich meinen Freund im oberen Teil des Bildes per Verflüssigen mit ein paar Muskeln aus, während ich, in einer andauernden Mimik der professionellen Panik, unten verharrte und unverändert blieb - fürs erste...



Darauf folgte der erste entscheidende Schritt, welcher das entgültige Aussehen des Bildes bestimmen würde: Atmosphäre durch Farbgebung.

Defintion der Farbgebung
Ich wollte, dass das Bild herausragt und schon durch die Farben anziehend wirkt. Besonders aufgrund der relativ blassen und ehrlich gesagt langweiligen Farbgebung die mir das Bild vorgab, war es von Nöten, etwas "krasses" zu machen. Somit entschied ich nach ein paar Versuchen, die Farbgebung meiner Sunray Despised Reihe zu übernehmen, eine Verlaufsumsetzung von Gelb nach Blau.



Mit dieser Verlaufsumsetzung konnte ich zum einen interessanten Farbkontrast schaffen, zum anderen würden die Farben die späteren Effekte wie Licht und Schatten unterstützen. Somit war der nächste Arbeitsschritt auch relativ klar.

Licht und Schatten
Um Helligkeitskontraste zu schaffen, aber auch um gewisse Teile im Bild zu definieren, arbeitete ich in zwei Weisen.

Um großflächig Bereiche abzudunkeln oder gar im Schatten verschwinden zu lassen, habe ich einfach Schwarz mit verschiedenen Transparenzwerten aufgetragen.



Etwas aufwändiger gestaltete sich die Ausarbeitung von Details wie Gesicht oder Arme. Per "Dodge & Burn"-Methode, gab ich den Gesichter mehr Kontraste und setze ebenfalls Highlights bzw. hellte bestimmte Partien in den Gesichtern auf.



Als freudiges Ergebnis wurde besonders das Gesicht des unteren Protagonisten (also mich) verbessert und die Mimik mehr in den Vordergrund gestellt.

Als nächstes widmete ich mich den ersten Effekten.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Chickow« (1. April 2012, 13:02)


Chickow

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Sonntag, 1. April 2012, 12:51

Eröffnet das Feuer
Für die Effekte bediene ich mich meistens aus meinem großen Brush-Werkzeugkasten. Dort habe ich eine sehr große Sektion zum Thema "Grunge". Kratzer, Dreck oder gar Flecken eignen sich hervorragend Mündungsfeuer oder Explosionen zu erstellen. Bei gut ausgewählten Pinselspitzen erhält man den Eindruck von fliegenden Partikeln wie Staub oder Schmauch.



Dank der Verlaufsumsetzung fügten sich die Brushes "natürlich" zum restlichen Gesamtbild ein und es war keine große Ausarbeitung der Kontraste notwendig. Da es sich bei dem Mündungsfeuer entsprechend um eine Lichtquelle handelt, habe ich einen leichten "Schein nach außen" angewendet.

Dank dem Mündungsfeuers hatte ich gleichzeitig einen "Grund", die matten Gläser des oberen Protagonisten eine Spiegelung zu verleihen. Dies sollte den Eindruck vermitteln, dass das ausgestrahlte Licht entsprechend hell ist und der Schütze eine Einheit damit bildet.



Wo ein Mündungsfeuer ist, dürfen Patronenhülsen nicht fehlen. Der wahre Meister fotografiert oder modelliert seine Accessoires eigentlich selber, aber die Weiten des Internets und dessen Bildarchive machen vieles einfacher für den Bildbearbeiter... und gemütlicher...

Stichworte wie "bullet" oder "shell", eingegeben in Bildarchiven wie Stock.XCHNG oder deviantArt, haben mir entsprechende Bilder geliefert - kostenlos und legal!



Dank der Transformations-Optionen kann man durch Drehen und Verzerren einzelne Bilder mehrfach verwenden, ohne dass es auffällt. Damit die Hülsen sich weiter unterscheiden und besser ins Bild passen, habe ich allen einen "Schatten nach innen" gegeben. Somit simuliert man Schattenwurf auf die Hülsen und es sieht einen Ticken realistischer aus.
Um die Dynamik und Geschwindigkeit der Patronenhülsen zu verstärken, habe ich nach deren Bearbeitung eine leichte Bewegungsunschärfe angewandt.

Unsere Freunde haben somit das Feuer eröffnet. Zeit für einen Gegenschlag!

Viele kennen es aus Videospielen oder Actionfilmen. Damit der gemeine Zuschauer neben den Mündungsfeuern sehen kann, dass was tatsächlich durch die Luft fliegt, fügt man gerne glühende Projektile ein (Nicht ganz unrealistisch. Bin zwar kein Spezialist, aber ich glaub die Dinger werden erst bei Dämmerung richtig sichtbar und das ganze bei größeren Kalibern.).



Schwer zu erstellen sind die nicht. Man nehme einen hellen Kreis, zieht mit dem Wischfinger einen kleinen Schweif nach hinten und zeichnet es noch mal weich, bevorzugt Bewegungsunschärfe.
Dynamischer wird das Ganze, wenn die einzelnen Projektile gewisse Unterschiede in ihrer Flugbahn aufweisen.

Jetzt kommen wir zu einem sehr interessanten Teil der Bearbeitung. Die Projektile fliegen nämlich nicht einfach aus dem Bild. Nein, sie treffen selbstverständlich auf Objekte und sorgen für Staub, Funken und Zerstörung!

Zerstörung 2.0
Nach dem großen Vorbild "Demoliton 2.0" von der Videospielreihe Battlefield, sollte das Bild eine volle Ladung Action tanken. Es sollen Funken fliegen, Löcher in die Wände geschossen werden und Staub in der Luft liegen.



Die Erstellung war zwar nicht aufwändig, aber trotz allem musste überlegt vorgegangen werden. Wie könnte man die physikalischen Auswirkungen von Projektilen, welche mit 990 Metern pro Sekunde auf Beton und Kacheln geschossen werden, spektakulär darstellen?

Das Zauberwort heißt erneut: "Brushes"

Tief in meinem Repertoire meiner großen Brush-Sammlung finden sich neben den üblich verdächtigen Grunge-Staub-Brushes, sogenannte "Sparks". Habe ich vor einigen Jahren in meine Sammlung mit aufgenommen, da solche Werkzeugspitzen relativ selten sind und bei richtiger Anwendung tolle Effekte mit wenig Arbeit generieren. Gefunden habe ich diese auf myphotoshopbrushes.com (kommerziell und privat zu verwenden ;-) ).



Diese habe ich dann zusätzlich zum Leuchten gebracht, einen feinen Staub-Brush drüber und Einschusslöcher drunter gelegt - et voilá. Es ist keine große Zauberei, man muss sich nur vorstellen, aus welchen Elementen solche Effekte bestehen.

Unter solchen Voraussetzungen müssen unsere beiden Kämpfer natürlich Zeichen der Schlacht an ihrem Leib tragen.

Willkommen im Dreck
Wie man an diesem Making Of feststellen kann, bin ich ein großer, großer Fan von Brushes und Texturen. Ich sammel sie und wende sie an, so gut es geht und versuche dabei, sie so zu integrieren, dass sie nicht auffallen und das Werk abrunden.
Somit war es auch bei der restlichen Brush-Arbeit. Die Helden sollten dreckig werden und Blessuren vom Kampf davon tragen, also habe ich meine Dirt- und Blut-Brushes in PS geladen und drauf losgemalt.



Die Kunst hierbei liegt bei der Brush-Logik. Ich habe nicht wild und unkoordiniert herumgeklickt (wobei somit manchmal auch coole Ergebnisse entstehen). Als Film-Liebhaber und angehender Geschichtenerzähler sollte der Einsatz von Brushes begründet und logisch sein.
Die beiden Kerle sind in einem umkämpften Kampfgebiet. Es sieht nach einer rauen Umgebung aus mit Scherben, Kanten und gegnerischen Beschuss. Somit haben wir schon mal die Grundlage.
Kein Kämpfer kommt in solch einer Situation ohne "Zeugnis" aus dem Kampf raus. Demzufolge klettern, kriechen und schießen sie, aber verletzen sich dabei, reißen sich ihre Kleidung kaputt und machen sich just dreckig. Ich denke man weiß, worauf ich hinaus will. :-)
Dementsprechend hat der eine Wunden am Kopf und Arm, weil er vielleicht gestürzt ist. Blut lief somit die Stirn hinunter, gar ins Auge. Hingegen ist der er andere mit seinem Ärmel am Stacheldraht hängen geblieben ist und hat sich den Rand kaputt gerissen.
Selbstverständlich sollte man nicht zu viele Details verwenden, damit der Betrachter nicht an Reizüberflutung zu leiden hat!

Sieht schon mal gut aus, dennoch fehlt ein wenig das "Mittendrin-Gefühl". Hier kommen Texturen ins Spiel.

Kaliber: Giermann .50
Bei diesem Schritt gebe ich offen zu, dass ich mich von Olaf Giermann hab inspirieren lassen. Seine sogenannte "Nupsie-Technik" verleiht manch Bild unfassbare Tiefe, jedoch sollte man dies nicht an jedem Bild anwenden, da es doch dann zu gekünstelt aussieht. In diesem Fall jedoch passt es, geht das Geschehen doch fast in Partikeln unter.



Angewendet auf mehreren Ebenen und mit stufenweise angewandter Unschärfe, verleihen diese Partikel eine unglaubliche Tiefe ins Bild hinein. Weiter schafft es den Eindruck der eingefrorenen Zeit. Jeder Partikel kann in Ruhe betrachtet werden, obwohl sie Teil einer nicht so ruhigen Szenerie sind.
Wo man Nupsies herbekommt? Entweder ihr sucht unter "Nupsies & Olaf Giermann" oder wartet den nächsten Schnee oder Regen bei Nacht ab. Bewaffnet mit einer Kamera und einem Blitz, könnt ihr euch ziemlich schnell selber "Nupsies" oder Partikelchen schaffen. Spielt mit der Blende und der Schärfe, ihr erhaltet jedes Mal andere und coole Ergebnisse.

Der schmale Grat zur Vollendung
Selbstverständlich könnte man meinen, das Bild ist fertig. Folgender Schritt ist nur ein i-Tüpfelchen fürs Gesamtbild, dennoch schafft es weiter Tiefe und Atmosphäre.



Wie ihr an diesem Ausschnitt sehen könnt, habe ich einen speziellen Effekt angewandt. Die Anwendung von simuliertem "Bokeh" oder auf deutsch "Unschärfekreise". Wie bereits erwähnt, sorgt der Effekt für mehr Tiefe, besonders in Verbindung mit den "Nupsies". Wer aber hin und wieder Actionfilme sieht, stößt öfters mal auf Schärfenverlagerungen im Kampfgeschehen. Meist wenn der betroffene Protagonist vom Kampfgeschehen überfordert ist und versucht zur Besinnung zu kommen.
Bei meinem Bild habe ich diesen Effekt zum einen des Effektes wegen angewendet, da dies in der Komposition wirklich toll aussieht, aber zum anderen, um den Fokus des Betrachters ein wenig zu führen.

Den Effekt kann man mit Plug-Ins wie Alien Skin Bokeh 2 (es gibt eine Demo davon), aber jüngst mit Photoshop 6 erreichen.

Fazit
Nach wie vor finde ich dieses Werk unfassbar cool. Ich als alter Cineast und Effekt-Freund habe meinen persönlichen Actionfilm in ein Artwork gebannt. Stolz bin ich auf die ausführliche Brush-Arbeit und die somit entstandenen Effekte. Weiter bin ich froh, dass trotz des "Alters" des Ursprungsfotos, ein aktuelles Werk entstanden ist.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Chickow« (1. April 2012, 13:06)


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3

Montag, 2. April 2012, 14:04

Sehr cool gemacht....

Danke für die ausführliche Darstellung!

:like:
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten…

psd-welt

unregistriert

4

Montag, 2. April 2012, 17:03

Das kenn ich schon aber schön das du es für die anderen so ausführlich bereit gestellt hast.

Chickow

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5

Dienstag, 8. Mai 2012, 13:23

Danke fürs Kompliment. Hoffe sehr, dass das Making Of anderen vielleicht sogar hilfreich sein kann...